Die Welt der Heil- und Würzkräuter ist riesig und für Naturgärtner ein unverzichtbarer Bestandteil eines funktionierenden Ökosystems. Gerade alte, fast vergessene Pflanzen erleben im Zuge der Nachhaltigkeitsbewegung eine Renaissance. Sie sind nicht nur nützlich für die Hausapotheke, sondern oft auch eine wichtige Weide für Bienen und Insekten. Hier ist eine Auswahl der wichtigsten Kräuter, die mit dem Buchstaben A beginnen.
Acker-Schachtelhalm (Equisetum arvense)
Viele Gärtner verfluchen ihn als hartnäckiges Unkraut, doch im biologischen Gartenbau ist er „Gold“ wert. Der Schachtelhalm gehört zu den ältesten Gewächsen der Erde und ist extrem reich an Kieselsäure. Anstatt ihn nur zu bekämpfen, kann man ihn ernten und daraus eine Jauche oder einen Sud kochen. Sprüht man diesen auf Rosen, Kartoffeln oder Tomaten, stärkt die Kieselsäure die Zellwände der Pflanzen so sehr, dass Pilzkrankheiten wie Mehltau oder Sternrußtau kaum noch eine Chance haben. Er ist das wichtigste natürliche Fungizid im Biogarten.
Anis (Pimpinella anisum)
Anis wird oft nur mit Weihnachtsbäckerei assoziiert, ist aber eine wunderbare Sommerpflanze für den Insektengarten. Als Doldenblütler bietet er mit seinen feinen, weißen Blütenschirmen Nahrung für Schwebfliegen und kleine Wildbienenarten, die auf offene Blüten angewiesen sind. Die Pflanze liebt warme, sonnige Standorte. Die Samen wirken krampflösend und verdauungsfördernd. Wer Anis im eigenen Garten anbaut, vermeidet lange Transportwege und Plastikverpackungen von gekauftem Tee.
Arnika (Arnica montana)
Die Arnika mit ihren leuchtend gelben Blüten ist das Symbolbild für intakte Bergwiesen. Ihre Heilkraft bei stumpfen Verletzungen wie Prellungen ist legendär. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist hier jedoch Vorsicht geboten: Die echte Arnika steht in Deutschland unter strengem Naturschutz. Wildsammlung ist tabu und schadet den ohnehin geschwächten Beständen. Wer Arnika nutzen möchte, sollte auf Produkte aus kontrolliertem Anbau zurückgreifen oder versuchen, die robustere Wiesen-Arnika (Arnica chamissonis) im Garten anzusiedeln.
Angelika / Engelwurz (Angelica archangelica)
Die Engelwurz ist eine imposante Erscheinung. Sie kann über zwei Meter hoch werden und bringt damit wichtige Struktur in den Garten. Für Insekten sind ihre riesigen, kugelförmigen Blütendolden ein Festmahl. Ursprünglich aus dem hohen Norden stammend, gilt sie als stärkendes Kraut. Alle Pflanzenteile sind aromatisch, besonders die Wurzeln, die traditionell in Magenbittern verwendet werden. Im Naturgarten ist sie eine ideale Solitärpflanze, die Feuchtigkeit liebt.
Alant (Inula helenium)
Früher fand man den Echten Alant in fast jedem Bauerngarten, heute ist er selten geworden. Dabei ist er eine perfekte Pflanze für Permakultur-Ansätze. Durch seine enormen Ausmaße und großen Blätter beschattet er den Boden effektiv und hält so die Feuchtigkeit in der Erde – ein wichtiger Aspekt in immer trockeneren Sommern. Die Wurzel riecht leicht nach Veilchen und wurde früher verräuchert. Die strahlenförmigen gelben Blüten sind im Hochsommer eine wichtige Nahrungsquelle für Bestäuber.
Augentrost (Euphrasia officinalis)
Der Name verrät die Anwendung: Seit dem Mittelalter wird dieses kleine Wiesenkräutchen bei Augenbeschwerden eingesetzt. Ökologisch ist der Augentrost besonders spannend, da er ein sogenannter Halbschmarotzer ist. Er zapft mit seinen Wurzeln Gräser an, um an Nährstoffe zu kommen. Das dämpft das Graswachstum auf Wiesen auf natürliche Weise und schafft so Platz und Licht für andere, zartere Wiesenblumen. Er ist ein Zeiger für magere, artenreiche Wiesen.
Andorn (Marrubium vulgare)
Der Andorn wurde 2018 zur Arzneipflanze des Jahres gekürt. Er sieht aus wie eine filzige Mischung aus Melisse und Taubnessel. Er ist ein Spezialist für trockene, karge Standorte und kommt mit wenig Wasser aus. Seine nektarreichen Blüten sind bei Bienen sehr beliebt. Der Geschmack ist extrem bitter, weshalb er heute in der Küche kaum noch genutzt wird, medizinisch ist er jedoch eines der ältesten bekannten Hustenmittel. Wer ihn pflanzt, bewahrt ein Stück lebendige Kulturgeschichte.