Der Buchstabe C ist in der heimischen Kräuterwelt nicht sehr häufig vertreten, doch er beheimatet einige Spezialisten, die besonders in Zeiten des Klimawandels an Bedeutung gewinnen. Viele dieser Pflanzen stammen ursprünglich aus dem Mittelmeerraum oder Asien, sind extrem hitzetolerant und bieten Insekten Nahrung, wenn heimische Pflanzen bereits verblüht sind.
Currykraut (Helichrysum italicum)
Das Currykraut, auch italienische Strohblume genannt, ist ein Gewinner des Klimawandels im Garten. Es liebt heiße, trockene und magere Standorte und benötigt im Sommer kaum Wasser – perfekt für den „Dry Garden“ oder Steingarten. Der Name ist Programm: Reibt man an den silbergrauen Nadeln, verströmen sie den typischen Duft der Curry-Gewürzmischung. In der Küche kocht man ganze Zweige kurz mit (in Reis oder Saucen) und entfernt sie vor dem Servieren, da sie schwer verdaulich sind. Die kleinen, gelben Blütenköpfe erscheinen im Hochsommer und sind eine wichtige Weide für Wildbienen und Schwebfliegen.
Chinesischer Schnittlauch (Allium tuberosum)
Auch bekannt als Knolau (Knoblauch-Schnittlauch). Er ist die nachhaltige Alternative für alle, die Knoblauchgeschmack lieben, aber keine Knoblauchfahne riskieren wollen. Anders als der normale Schnittlauch hat er flache, fleischige Halme. Ökologisch ist er besonders wertvoll, da er sehr spät im Jahr blüht (August bis Oktober). Seine weißen, sternförmigen Blütendolden sind in dieser Zeit ein absoluter Magnet für Bienen, Falter und Schwebfliegen, die im Spätsommer oft nur noch wenig Nahrung finden. Er ist winterhart und vermehrt sich willig, ohne zu wuchern.
Colakraut (Artemisia abrotanum var. maritima)
Das Colakraut ist eine Variante der Eberraute und ein hervorragender Einstieg, um Kinder für den Kräutergarten und die Natur zu begeistern. Streicht man über die gefiederten Spitzen, riecht es intensiv nach Cola-Limonade. Die Pflanze gehört zur Familie der Beifußgewächse und ist extrem robust und pflegeleicht. Sie enthält ätherische Öle, die im biologischen Gartenbau nützlich sind: Der intensive Duft kann helfen, Schädlinge wie die Weiße Fliege oder Kohlweißlinge von benachbarten Gemüsepflanzen fernzuhalten (Mischkultur). Getrocknet eignet sich das Kraut für Duftsäckchen gegen Motten im Kleiderschrank.
Cistrose (Cistus incanus)
Die graubehaarte Cistrose ist eigentlich ein kleiner Strauch aus dem Mittelmeerraum, der zunehmend in naturnahen Gärten nördlich der Alpen heimisch wird. Sie gilt als eine der polyphenolreichsten Pflanzen Europas. Der Tee aus den Blättern wird traditionell zur Stärkung des Immunsystems und gegen Viren eingesetzt. Die zerknittert wirkenden, rosafarbenen Blüten sind reich an Pollen. Da die Cistrose an extreme Hitze und Trockenheit angepasst ist, benötigt sie keinen Dünger und kein Gießwasser, sobald sie einmal angewachsen ist – eine Ressourceneinsparung für jeden Gärtner.
Chili (Capsicum)
Chilis werden meist als Gemüse betrachtet, zählen botanisch und kulinarisch aber zu den Gewürzpflanzen. Im Kontext der Nachhaltigkeit spielen sie eine wichtige Rolle beim Thema „Saatgut-Souveränität“. Viele Supermarkt-Chilis sind Hybriden (F1), die sich nicht sortenrein vermehren lassen. Wer im Garten auf alte, samenfeste Sorten (wie Cayenne oder Jalapeño) setzt, kann jedes Jahr eigene Samen ernten, trocknen und im nächsten Jahr neu aussäen. Das macht unabhängig von der Agrarindustrie und bewahrt die enorme genetische Vielfalt dieser Gattung. Chilis lassen sich zudem hervorragend auf dem Fensterbrett oder Balkon ziehen („Urban Gardening“).