Unter dem Buchstaben E versammeln sich Kräuter, die oft eine Doppelrolle spielen: Sie sind sowohl alte Heilpflanzen als auch imposante Stauden, die im Naturgarten durch ihre Robustheit und ihren ökologischen Nutzen glänzen. Besonders der Eibisch und der Sonnenhut sind Paradebeispiele für Pflanzen, die Schönheit, Gesundheit und Insektenschutz vereinen.
Echter Eibisch (Althaea officinalis)
Der Eibisch ist der „sanfte Riese“ im Kräuterbeet. Verwandt mit der Stockrose, besticht er durch samtig weiche Blätter und zarte, meist weiß-rosafarbene Blüten. Ökologisch ist er ein Schwergewicht: Als Malvengewächs ist er eine der wichtigsten Pollenquellen für Hummeln und spezialisierte Wildbienen. Früher wurde aus seiner schleimhaltigen Wurzel die Süßigkeit „Marshmallow“ hergestellt. In der nachhaltigen Hausapotheke nutzt man diese Schleimstoffe heute als reizlindernden Tee bei trockenem Husten oder Magenproblemen. Er liebt sonnige Standorte und kommt, einmal angewachsen, gut mit trockenen Phasen zurecht.
Estragon (Artemisia dracunculus)
Estragon ist der König der feinen französischen Küche, führt im Garten aber oft ein Schattendasein. Man unterscheidet zwei Varianten: Der Französische Estragon besitzt das feinste Anis-Aroma, ist aber empfindlich und muss im Winter geschützt werden. Der Russische Estragon hingegen ist extrem winterhart, robust und wüchsig, schmeckt aber deutlich herber. Für den pflegeleichten Selbstversorger-Garten ist die russische Variante oft die pragmatischere Wahl. Estragon fördert die Verdauung und kann helfen, den Salzkonsum zu reduzieren, da er Speisen auch ohne viel Salz Würze verleiht.
Echtes Eisenkraut (Verbena officinalis)
Nicht zu verwechseln mit der prächtigen, lila blühenden Patagonischen Verbene (Verbena bonariensis), die eher Zierpflanze ist. Das Echte Eisenkraut ist eine unscheinbare, heimische Wildstaude, die seit der Antike als magisches Kraut gilt. Es wächst oft an Wegrändern und auf Schuttplätzen – ein Zeichen seiner enormen Widerstandskraft. Im Naturgarten füllt es Lücken und lockt mit seinen filigranen Blütenrispen kleine Schwebfliegen an. Medizinisch wird es traditionell bei Erkältungen und zur Wundheilung genutzt. Es ist die perfekte Pflanze für „wilde Ecken“, die nicht ständig gepflegt werden müssen.
Echinacea / Purpur-Sonnenhut (Echinacea purpurea)
Ursprünglich aus den nordamerikanischen Prärien stammend, ist der Sonnenhut heute aus dem europäischen Naturgarten nicht mehr wegzudenken. Er ist ein Gewinner des Klimawandels, da er Hitze und Trockenheit liebt. Nachhaltigkeitstipp: Schneiden Sie die verblühten „Igelköpfe“ im Herbst nicht ab! Die Samenstände sind im Winter eine überlebenswichtige Futterquelle für Vögel wie den Stieglitz. Zudem bieten die hohlen Stängel Überwinterungsquartiere für Insekten. Die Wurzeln und das Kraut werden in der Naturheilkunde zur Stärkung des Immunsystems bei beginnenden Infekten verwendet.
Eberraute (Artemisia abrotanum)
Die Eberraute, auch „Pastorenkraut“ genannt, ist ein Halbstrauch mit langer Tradition in Bauerngärten. Sie gehört wie der Beifuß zu den Artemisia-Gewächsen. Je nach Sorte duften die feinen Blätter intensiv nach Zitrone oder sogar nach Cola. Im Sinne der Nachhaltigkeit ersetzt die Eberraute chemische Insektizide im Haus: Getrocknete Zweige im Kleiderschrank sind ein hervorragendes, natürliches Mittel gegen Motten. Im Garten verträgt sie einen kräftigen Rückschnitt im Frühjahr und treibt danach buschig wieder aus.
Ehrenpreis (Veronica officinalis)
Der Echte Ehrenpreis ist ein klassischer Bodendecker, der oft auf mageren Waldlichtungen oder Heiden zu finden ist. Er bildet flache Teppiche und blüht zartlila bis blau. Statt den Rasen klinisch rein zu halten, lassen ökologisch bewusste Gärtner den Ehrenpreis gewähren. Er ist trittfest und bietet – anders als reines Rasengras – Nahrung für Insekten. Als „Allerweltsheilmittel“ („Ihm sei Ehr und Preis“) wurde er früher gegen fast alles eingesetzt, heute vor allem noch als Brusttee bei Husten oder bei Hautproblemen.
Eukalyptus (Eucalyptus gunnii)
Eukalyptus im deutschen Garten? Durch mildere Winter ist das in geschützten Lagen mittlerweile möglich, besonders mit der robusten Sorte Azura. Zwar ist er keine heimische Futterpflanze, aber er hat seinen Platz im nachhaltigen Garten als Lieferant für Schnittgrün. Wer Eukalyptus im Garten hat, muss für Blumensträuße oder Adventskränze kein teures, importiertes Grün kaufen, das oft pestizidbelastet ist und weite Flugreisen hinter sich hat. Die ätherischen Öle vertreiben zudem Mücken auf der Terrasse.