Der Buchstabe F steht in der Welt der Kräuter oft für Farbe und Filigranität. Hier finden sich Pflanzen, die früher ganze Industrien versorgten (Färberpflanzen) und heute im Naturgarten unverzichtbar sind, weil sie Spezialisten für trockene Standorte sind oder als überlebenswichtige Kinderstube für bedrohte Schmetterlingsarten dienen.
Fenchel (Foeniculum vulgare)
Der Fenchel ist eine der wichtigsten Pflanzen für die Artenvielfalt im Garten. Während wir Menschen die knollige Variante als Gemüse und die Samen des Gewürzfenchels als Tee gegen Magenbeschwerden schätzen, ist er ökologisch ein absolutes Muss für Schmetterlingsfreunde. Er ist die Hauptfutterpflanze für die Raupen des Schwalbenschwanzes, eines unserer prächtigsten heimischen Falter. Finden Sie die auffälligen, grün-schwarz-orange gemusterten Raupen im Kraut, lassen Sie diese gewähren! Der Gewürzfenchel wird zudem sehr hoch und bildet im Staudenbeet eine luftige, gelb blühende Struktur, die Schwebfliegen anzieht.
Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
Der Frauenmantel ist ein Klassiker des Bauerngartens und ein Meister der Selbstreinigung und Wasserspeicherung. Morgens findet man oft einen funkelnden Wassertropfen in der Mitte seiner gefalteten Blätter. Das ist kein Tau, sondern von der Pflanze aktiv ausgeschiedenes Wasser (Guttation) – ein Phänomen, das früher Alchemisten faszinierte. Im nachhaltigen Garten ist er der perfekte Bodendecker. Er wächst dicht, unterdrückt „Unkraut“ auf natürliche Weise (spart Jäten) und hält den Boden feucht und schattig. Medizinisch ist er eines der bekanntesten Frauenheilkräuter.
Färberkamille (Anthemis tinctoria)
Wie der Name verrät, wurde diese Pflanze früher genutzt, um Wolle und Leinen leuchtend gelb zu färben. Heute erlebt sie ein Comeback, weil sie extrem trockenheitsverträglich ist und auch auf kargen, sandigen Böden gedeiht – ideal für den klimawandelangepassten Garten. Für Insekten ist sie ein Dauerblüher-Buffet: Von Juni bis in den September hinein produziert sie unermüdlich neue Blütenköpfe, die besonders von Wildbienen angeflogen werden. Sie ist kurzlebig, erhält sich aber durch Selbstaussaat am passenden Standort dauerhaft.
Feld-Thymian / Quendel (Thymus pulegioides)
Wer Thymian sagt, denkt meist ans Mittelmeer. Doch mit dem Feld-Thymian (Quendel) gibt es eine robuste, heimische Alternative, die wild auf Magerwiesen wächst. Er bildet flache Teppiche und duftet intensiv aromatisch. Ökologisch ist er wertvoller als mache Hochzuchtform, da er perfekt an unser Klima angepasst ist und als „Ameisenpflanze“ gilt (Ameisen verbreiten seine Samen). Für Bienen ist er eine wichtige Nektarquelle. In der Küche kann er genau wie der echte Thymian verwendet werden, schmeckt aber etwas wilder und herber.
Franzosenkraut (Galinsoga parviflora)
In vielen gepflegten Gärten wird das Franzosenkraut (auch Knopfkraut genannt) als lästiges Unkraut bekämpft, da es sich rasant vermehrt. Der nachhaltige Ansatz lautet jedoch: „If you can’t beat it, eat it!“ (Wenn du es nicht besiegen kannst, iss es auf). Das Franzosenkraut ist ein unterschätztes Wildgemüse mit extrem hohen Werten an Eisen und Magnesium. Es schmeckt mild nach Salat und kann pfundweise in Smoothies, Suppen oder Pestos verarbeitet werden. Es wachsen zu lassen und zu ernten ist ressourcenschonender, als es mühsam zu jäten und zu kompostieren.
Färberwaid (Isatis tinctoria)
Bevor Indigo aus Indien importiert wurde, war der Waid die einzige Quelle für blaue Farbe in Europa („Erfurt-Blau“). Er ist eine zweijährige Pflanze: Im ersten Jahr bildet er eine Blattrosette, im zweiten Jahr schießt er mit einer imposanten gelben Wolke aus Blüten in die Höhe. Diese gelbe Blüte im Mai und Juni duftet honigartig und ist eine fantastische Bienenweide. Nach der Blüte bilden sich schwarze, hängende Schötchen, die den Garten auch im Winter strukturieren. Wer sich für historische Färbetechniken und alte Nutzpflanzen interessiert, kommt am Waid nicht vorbei.
Fingerhut (Digitalis purpurea)
Vorsicht: Der Rote Fingerhut ist in allen Teilen hochgiftig! Er gehört nicht in Gärten, in denen kleine Kinder unbeaufsichtigt spielen. Doch in einem naturnahen Waldgarten ist er eine majestätische Erscheinung. Er ist die einzige Pflanze, die Hummeln den Zugang zu ihrem Nektar durch spezielle „Landebahn-Markierungen“ (die Punkte in der Blüte) weist. Nur kräftige Hummeln schaffen es, in die Blütenkelche zu kriechen. Als heimische Waldrandpflanze kommt er gut mit Schatten zurecht und sät sich zuverlässig selbst aus.