Unter dem Buchstaben G finden sich einige der polarisierendsten Pflanzen des Gärtnerlebens. Viele Kräuter, die hier gelistet sind, werden im konventionellen Gartenbau oft als hartnäckiges „Unkraut“ bekämpft. Im Sinne der Nachhaltigkeit und der Permakultur lohnt sich jedoch ein radikaler Perspektivwechsel: Diese Pflanzen sind oft kostenloses Superfood, wichtige Insektennahrung oder robuste Bodendecker, die den pflegeleichten Naturgarten bereichern.
Giersch (Aegopodium podagraria)
Der Giersch ist der Schrecken vieler Kleingärtner, da er sich mit unterirdischen Rhizomen rasant ausbreitet. Doch statt Chemie oder mühsames Ausgraben gibt es eine nachhaltigere Lösung: Aufessen. Giersch ist eines der nährstoffreichsten Wildgemüse überhaupt, er enthält um ein Vielfaches mehr Vitamin C als Kopfsalat und ist reich an Mineralstoffen. Junge Blätter schmecken nach einer Mischung aus Petersilie und Spinat und eignen sich hervorragend für Pestos, Limonaden oder als Spinat-Ersatz. Wer den Giersch regelmäßig „aberntet“, schwächt die Pflanze automatisch, ohne das Bodenleben durch Umgraben zu stören. Zudem blüht er weiß (Doldenblütler) und zieht im Sommer zahlreiche Schwebfliegen an.
Gundermann (Glechoma hederacea)
Der Gundermann (oder Gundelrebe) kriecht oft unbemerkt durch Wiesen und unter Hecken. Im Naturgarten ist er ein wertvoller, immergrüner Bodendecker, der auch im Schatten wächst. Seine kleinen, violetten Lippenblüten erscheinen sehr früh im Jahr (März/April) und sind eine wichtige erste Nektarquelle für Hummeln und Wildbienen, die nach dem Winter ausgehungert sind. Kulinarisch war er vor der Einführung des Hopfens eine wichtige Würze beim Bierbrauen. Heute nutzt man die aromatischen Blätter als „wilde Petersilie“ in Kräuterbutter oder Süßspeisen – in Kombination mit Schokolade ist der herb-minzige Geschmack ein Geheimtipp.
Gänseblümchen (Bellis perennis)
Jedes Kind kennt es, doch im sterilen „Englischen Rasen“ ist es unerwünscht. Ein nachhaltiger Rasen darf und soll jedoch blühen. Das Gänseblümchen ist extrem trittfest und regeneriert sich schnell, selbst nach dem Mähen („Stehaufmännchen“). Es bietet Nahrung für kleine Insekten und ist komplett essbar. Die Blütenknospen können sauer eingelegt werden („falsche Kapern“), die geöffneten Blüten sind eine essbare Dekoration für Salate. In der Volksmedizin wird es ähnlich wie Arnika bei Hautverletzungen oder als Kinder-Hustentee eingesetzt.
Goldrute (Solidago)
Hier muss der naturbewusste Gärtner genau hinsehen. Die weit verbreitete Kanadische Goldrute ist ein invasiver Neophyt, der heimische Arten verdrängt und sich aggressiv ausbreitet. Die heimische Echte Goldrute (Solidago virgaurea) hingegen ist eine Bereicherung. Sie wuchert nicht und ist ökologisch wertvoll, da sie sehr spät im Jahr (August bis Oktober) blüht. Sie bietet Insekten Nahrung, wenn der restliche Garten schon verblüht ist. Medizinisch ist sie eines der bekanntesten Nierenkräuter und wird bei Blasenentzündungen eingesetzt.
Günsel (Ajuga reptans)
Der Kriechende Günsel ist die perfekte Alternative zum Rasen an schattigen oder feuchten Stellen, wo Gras oft vermoost. Er bildet dichte, flache Teppiche mit rötlich-grünem Laub, die das Aufkommen anderer unerwünschter Beikräuter unterdrücken. Im Frühling schieben sich leuchtend blaue Blütenkerzen nach oben, die von Hummeln und Bienen heiß geliebt werden. Er ist absolut pflegeleicht und muss fast nie gegossen werden, sobald er angewachsen ist.
Goldmelisse (Monarda didyma)
Auch als Indianernessel oder Bienenbalsam bekannt. Diese prächtige Staude mit ihren meist scharlachroten, zerzausten Blütenköpfen stammt aus Nordamerika, hat sich aber fest in europäischen Bauerngärten etabliert. Der Name „Bienenbalsam“ ist Programm: Sie ist ein Magnet für Bestäuber, besonders solche mit langem Rüssel. Die Blätter duften aromatisch nach Bergamotte und ergeben einen hervorragenden Tee (Oswego-Tee), der bei Erkältungen und Magenbeschwerden hilft. Sie ist anfällig für Mehltau, weshalb der Standort luftig gewählt werden sollte.
Geißraute (Galega officinalis)
Die Geißraute ist eine imposante, buschige Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Sie kann über einen Meter hoch werden und blüht wunderschön lila-weiß. Wie alle Leguminosen hat sie eine „Superkraft“ für die Nachhaltigkeit: Sie sammelt mithilfe von Knöllchenbakterien an den Wurzeln Stickstoff aus der Luft und reichert ihn im Boden an. Sie ist also eine lebendige Düngerfabrik (Gründüngung). Historisch wurde sie genutzt, um die Milchleistung bei Ziegen und Kühen zu steigern, und spielt heute in der Forschung zur Diabetes-Behandlung eine Rolle (Metformin-Grundlage).
Gartenkresse (Lepidium sativum)
Zwar meist einjährig und unscheinbar, ist die Kresse der Champion des „Urban Gardening“ im Winter. Wenn draußen Schnee liegt und nichts wächst, liefert die Kresse auf der Fensterbank innerhalb von einer Woche frisches Grün voller Vitamin C und Senföle. Das macht unabhängig von importierten Salaten in Plastikschalen. Sie kann auf fast jedem Substrat (sogar Watte) gezogen werden.