Der Buchstabe I ist in der heimischen Flora eher dünn besiedelt, bietet aber spannende Einblicke in die Welt der Neophyten (eingewanderte Pflanzen) und exotischeren Gewächse, die sich mit etwas Geschick auch im nachhaltigen Garten oder auf der Fensterbank kultivieren lassen. Besonders das Thema „Invasive Arten“ versus „Nützliche Einwanderer“ lässt sich hier gut beleuchten.
Ingwer (Zingiber officinale)
Ingwer ist der Inbegriff der globalisierten Nahrungsmittelkette und reist oft Tausende Kilometer, bis er in unserem Supermarkt liegt. Doch für den nachhaltigen Haushalt gibt es einen Trend: Regrowing. Ingwer lässt sich hervorragend auf der heimischen Fensterbank vermehren. Ein gesundes Stück Bio-Ingwer mit einem „Auge“ (Triebansatz) wird flach in Erde gelegt. Nach einiger Zeit wachsen bambusartige Triebe, die dekorativ sind und nach Zitrone duften. Die Ernte der eigenen Wurzel im Herbst spart Transportemissionen und Verpackungsmüll. Ingwer wirkt stark entzündungshemmend und wärmend – ideal für die Winterzeit.
Indianernessel (Monarda)
Oft auch als Goldmelisse oder Bienenbalsam bekannt. Die Indianernessel ist eine Prachtstaude aus Nordamerika, die in keinem naturnahen Staudenbeet fehlen sollte. Ihre zerzausten Blütenköpfe in Rot, Rosa oder Violett sind ein absoluter Magnet für Hummeln, Bienen und sogar Taubenschwänzchen (eine Schmetterlingsart, die wie ein Kolibri fliegt). Im Sinne der Nachhaltigkeit ist sie pflegeleicht und gesund. Die Blätter duften aromatisch nach Bergamotte (wie Earl Grey Tee) und können für Limonaden oder Teemischungen verwendet werden („Oswego-Tee“). Sie bevorzugt sonnige Standorte, die nicht zu trocken sind.
Immenblatt (Melittis melissophyllum)
Das Immenblatt ist eine echte Rarität in unseren Breiten und eine heimische Wildstaude, die man heute fast nur noch in gut sortierten Naturgärten findet. Der Name verrät es bereits („Immen“ = Bienen): Die Pflanze ist auf die Bestäubung durch Insekten spezialisiert. Sie ist eine ideale Pflanze für den Schattengarten oder den Gehölzrand, wo sonst wenig blüht. Die Blüten sind groß, lippenförmig und meist weiß mit einem auffälligen rosa Fleck. Die Blätter verströmen im frischen Zustand kaum Geruch, entwickeln aber beim Trocknen ein intensives Aroma nach Waldmeister (Cumarin), weshalb sie früher zur Aromatisierung von Wäsche oder Getränken genutzt wurden.
Indisches Springkraut (Impatiens glandulifera)
Hier scheiden sich die Geister der Naturschützer. Das Indische Springkraut ist ein invasiver Neophyt, der sich an Flussufern rasant ausbreitet und heimische Pflanzen verdrängt. Aus purer Naturschutzsicht sollte es entfernt werden. Betrachtet man es jedoch pragmatisch, hat es auch ökologische Vorteile: Es blüht sehr spät im Jahr und produziert extrem viel zuckerreichen Nektar, was es zu einer wichtigen Notration für Hummeln im Spätsommer macht. Nachhaltiger Umgang: Bekämpfen Sie es dort, wo es seltene Arten bedroht, aber nutzen Sie es auch. Die Samen schmecken nussig (wie Walnüsse) und sind essbar. Die Blüten können zu Gelee verarbeitet werden („Balsamine“). Aber Vorsicht: Die Schleuderkapseln verteilen die Samen meterweit – Entsorgung blühender Pflanzen niemals auf dem offenen Kompost!
Inka-Gurke (Cyclanthera pedata)
Auch Scheibenklematis genannt. Wer einen Sichtschutz sucht, der schnell wächst und essbar ist, wird hier fündig. Die Inka-Gurke klettert an Zäunen empor und bildet unzählige kleine, hohle Früchte. Sie ist ein perfektes Gemüse für den Permakultur-Garten, da sie massenhaft Ertrag auf kleinster Fläche liefert und keine Krankheiten kennt („Schneckenresistent“). Die jungen Früchte schmecken wie Gurken, können roh gegessen oder gefüllt und geschmort werden. Sie sät sich selbst aus, lässt sich aber leicht kontrollieren.
Islandmoos (Cetraria islandica)
Botanisch gesehen kein Kraut, sondern eine Flechte (eine Symbiose aus Pilz und Alge). Es wächst in alpinen Regionen und im hohen Norden. Für den Nachhaltigkeits-Interessierten ist Islandmoos ein wichtiger Bio-Indikator. Es wächst nur dort, wo die Luft absolut rein ist. Verschwindet es, ist die Umweltbelastung zu hoch. Medizinisch ist es aufgrund seiner Schleimstoffe ein bewährtes Mittel bei Reizhusten, das sich wie ein Schutzfilm über die Schleimhäute legt. Da es sehr langsam wächst, sollte es niemals wild gesammelt werden – nutzen Sie Apothekenware aus kontrollierter Wildsammlung in Skandinavien.
Iris / Schwertlilie (Iris germanica)
Die Deutsche Schwertlilie ist primär eine Zierpflanze, doch ihre Wurzel („Veilchenwurzel“) hat eine lange Tradition. Früher gab man zahnenden Babys ein Stück der getrockneten Wurzel zum Kauen (heute wegen Hygiene umstritten, aber historisch interessant). In der Naturkosmetik wird das Pulver der Wurzel als Fixativ für Düfte verwendet. Im Garten ist die Iris wertvoll, da ihre dicken Rhizome helfen, Böschungen zu befestigen. Sie ist extrem trockenheitsresistent und muss im Sommer nicht gegossen werden.