Der Buchstabe J führt uns zu Pflanzen, die oft extreme Eigenschaften haben: Vom „Kraut der Unsterblichkeit“ über wichtige heimische Heilpflanzen bis hin zu invasiven Problempflanzen, die Naturschützer vor Herausforderungen stellen. Hier ist Wissen besonders wichtig, um im nachhaltigen Garten die richtigen Entscheidungen zu treffen.
Echtes Johanniskraut (Hypericum perforatum)
Das Johanniskraut ist die Sonnenpflanze schlechthin. Es blüht traditionell um den Johannistag (24. Juni) und speichert die Kraft der Sommersonne. Zerreibt man die gelben Blütenknospen zwischen den Fingern, tritt der rote Farbstoff Hypericin aus („Herrgottsblut“). Dieses „Rotöl“ ist ein klassisches Hausmittel bei Verbrennungen, Muskelkater und leichten Wunden. Ökologisch ist es ein wichtiger Pollenlieferant für Sommerbienen, produziert aber keinen Nektar. Im Garten zeigt es magere, trockene Böden an. Wer es stehen lässt, fördert die Biodiversität auf nährstoffarmen Flächen.
Jiaogulan (Gynostemma pentaphyllum)
Auch als „Kraut der Unsterblichkeit“ bekannt. Diese Kletterpflanze aus Asien hat in den letzten Jahren die europäischen Gärten erobert. Sie gilt als Adaptogen – ähnlich wie Ginseng soll sie helfen, Stress auszugleichen und das Immunsystem zu stärken. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist Jiaogulan genial: Während Ginseng Jahre braucht, bis er geerntet werden kann, wächst Jiaogulan wuchert schnell und liefert den ganzen Sommer über frische Blätter für Tee oder Salat. Die Pflanze ist winterhart (zieht ein) und lässt sich kinderleicht durch Stecklinge vermehren, sodass man nie wieder neue Pflanzen kaufen muss.
Jakobsleiter (Polemonium caeruleum)
Die „Himmelsleiter“ ist eine fast vergessene heimische Wildstaude, die in der freien Natur in Deutschland mittlerweile gefährdet ist und auf der Roten Liste steht. Umso wichtiger ist es, sie im Naturgarten zu kultivieren („Erhaltungskultur“). Sie blüht im Frühsommer mit wunderschönen blauen Blütenrispen. Für Insekten ist sie äußerst attraktiv, da sie reichlich Nektar und Pollen bietet. Sie liebt feuchte, nährstoffreiche Böden, etwa am Teichrand, und ist eine pflegeleichte Schönheit, die den Garten ökologisch aufwertet.
Jakobskreuzkraut (Jacobaea vulgaris)
Hier ist Vorsicht und Sachkenntnis gefragt. Das Jakobskreuzkraut (JKK) ist eine heimische Pflanze, die sich in den letzten Jahren stark ausgebreitet hat. Das Problem: Alle Teile der Pflanze sind giftig (Pyrrolizidinalkaloide), besonders für Pferde und Rinder. Gefährlich wird es im Heu, da die Tiere das getrocknete Kraut nicht mehr als giftig erkennen. Auf Weiden sollte es daher ausgestochen werden. Der Nutzen: Für die Biodiversität ist es jedoch wertvoll. Es ist die einzige Futterpflanze für die Raupen des Jakobskrautbären (einem nachtaktiven Schmetterling mit hübschen rot-schwarzen Flügeln). Ein totaler Vernichtungsfeldzug ist ökologisch also nicht sinnvoll – ein kontrolliertes Management abseits von Futterwiesen hingegen schon.
Japanischer Staudenknöterich (Fallopia japonica)
Kein Kraut im klassischen Sinne, sondern ein invasiver Neophyt, der Naturschützern graue Haare wachsen lässt. Er wuchert extrem, verdrängt alle heimischen Pflanzen und kann mit seinen Wurzeln sogar Asphalt sprengen. Der Nachhaltigkeits-Tipp: Bekämpfen Sie ihn, wo Sie können, aber werfen Sie ihn nicht auf den Kompost (er wächst dort weiter!). Nutzen Sie ihn stattdessen kulinarisch. Die jungen, roten Triebe im Frühling schmecken wie Rhabarber und können zu leckerem Kompott, Chutney oder Kuchen verarbeitet werden („Invasivoren“-Ernährung). Das ist die sinnvollste Art der Bestandsregulierung.
Johannisbeer-Salbei (Salvia microphylla)
Eine Zier- und Würzpflanze, die eine Brücke zwischen Ziergarten und Nutzgarten schlägt. Reibt man an den Blättern, entströmt ein intensiver Duft nach Schwarzen Johannisbeeren. Die Pflanze stammt ursprünglich aus Mexiko, ist aber an geschützten Standorten in Deutschland bedingt winterhart. Sie blüht unermüdlich von Mai bis zum ersten Frost mit leuchtend roten oder pinken Blüten. Diese sind speziell für Hummeln und Bienen eine wichtige Tankstelle im Spätherbst, wenn kaum noch etwas anderes blüht. Die Blätter eignen sich hervorragend für frischen Tee oder zum Aromatisieren von Süßspeisen.