Der Buchstabe K steht im Kräutergarten für absolute Klassiker der Hausapotheke und für unverzichtbare Helfer im biologischen Pflanzenschutz. Viele dieser Pflanzen sind sogenannte „Pionierpflanzen“, die auch auf gestörten Böden wachsen und dort neues Leben vorbereiten. Zudem finden sich hier einige der wichtigsten Futterpflanzen für spezialisierte Schmetterlingsarten.
Kapuzinerkresse (Tropaeolum majus)
Für den Permakultur-Gärtner ist die Kapuzinerkresse ein unverzichtbares Werkzeug. Sie dient als „Fangpflanze“: Blattläuse lieben die Kapuzinerkresse noch mehr als Gemüse. Pflanzt man sie unter Obstbäume oder neben Bohnen, ziehen die Läuse auf die Kresse um, und das Gemüse bleibt verschont. Zudem ist die gesamte Pflanze essbar. Die Blüten und Blätter schmecken scharf-pfeffrig (wie Kresse) und sind reich an antibiotisch wirkenden Senfölen („natürliches Antibiotikum“). Die unreifen, grünen Samenstände können in Essig eingelegt werden und dienen als regionaler Ersatz für Kapern („Falsche Kapern“).
Echte Kamille (Matricaria chamomilla)
Sie ist die wohl bekannteste Heilpflanze überhaupt. Wer sie wild sammelt, muss den Test machen: Nur die Echte Kamille riecht beim Zerreiben angenehm und hat einen hohlen Blütenboden (Blüte vorsichtig aufschneiden). Ökologisch ist sie eine Pionierpflanze, die gerne auf Äckern oder frisch aufgeschütteter Erde wächst. Sie zeigt an, dass der Boden sich regeneriert. Ein Kamillentee aus eigenen, frisch getrockneten Blüten ist im Aroma mit Teebeuteln nicht zu vergleichen und hilft bei fast allen entzündlichen Prozessen im Körper.
Königskerze (Verbascum)
Diese imposante, zweijährige Pflanze ist ein Leuchtturm im Naturgarten. Im ersten Jahr bildet sie eine flauschige Blattrosette, im zweiten Jahr schießt der bis zu zwei Meter hohe Blütenstand empor. Die filzigen Blätter wurden früher als Zunder oder Einlegesohlen verwendet. Ökologisch ist sie ein Hotspot: Die gelben Blüten bieten Pollen für Bienen und Käfer. Lässt man den verblühten Stängel über den Winter stehen, dienen die Samen als Futter für Vögel, und in den hohlen Stängeln überwintern Wildbienenlarven.
Knoblauchsrauke (Alliaria petiolata)
Oft wächst sie wild an Hecken und Waldrändern. Zerreibt man die Blätter, riecht es intensiv nach Knoblauch. Sie ist das perfekte Wildkraut für alle, die Knoblauchgeschmack lieben, aber den anhaltenden Mundgeruch danach vermeiden wollen. Sie ist die wichtigste Futterpflanze für die Raupen des Aurorafalters – eines unserer schönsten Frühlingsschmetterlinge. Wer Knoblauchsrauke im Garten duldet (oder gezielt stehen lässt), fördert diesen Falter aktiv. Kulinarisch sind auch die Wurzeln interessant, die im zeitigen Frühjahr ausgegraben fast wie Meerrettich schmecken.
Kerbel (Anthriscus cerefolium)
Der Echte Kerbel ist eines der ersten Kräuter im Jahr und traditioneller Bestandteil der „Frankfurter Grünen Soße“. Er liebt Halbschatten und feuchtere Böden. Sein feines Anisaroma verflüchtigt sich beim Kochen, weshalb er immer erst ganz zum Schluss über die Speisen gegeben werden sollte. Vorsicht beim Wildsammeln: Kerbel gehört zu den Doldenblütlern und kann leicht mit dem tödlich giftigen Schierling verwechselt werden. Wer unsicher ist, sollte ihn nur im Garten aussäen oder im Fachhandel kaufen.
Kornblume (Centaurea cyanus)
Einst ein gefürchtetes Ackerunkraut, wurde die Kornblume durch den massiven Einsatz von Herbiziden fast ausgerottet. Heute ist sie ein Symbol für Naturschutz und Biodiversität. Im Garten sollte sie in keiner Bienenweide fehlen, da ihr Nektar einen extrem hohen Zuckergehalt hat (bis zu 70 %), was sie zur Kraftnahrung für Insekten macht. Die leuchtend blauen Blütenblätter sind essbar und eine wunderschöne Dekoration für Salate oder Desserts. Sie lassen sich auch getrocknet gut in Teemischungen verwenden, wo sie ihre Farbe behalten.
Kümmel (Carum carvi)
Kümmel ist eines der ältesten Gewürze Europas. Wild wächst er auf fetten Wiesen und an Wegrändern. Er ist eine zweijährige Pflanze, die im zweiten Jahr blüht. Neben der bekannten verdauungsfördernden Wirkung der Samen (gegen Blähungen bei Kohlgerichten) sind auch die jungen Blätter im Frühjahr eine Delikatesse in Suppen und Salaten. Als Doldenblütler zieht er zahlreiche spezialisierte Insekten an, darunter Raubfliegen, die wiederum Schädlinge im Garten dezimieren.
Katzenminze (Nepeta cataria)
Der Name ist Programm: Das ätherische Öl Nepetalacton wirkt auf viele geschlechtsreife Katzen euphorisierend. Doch auch ohne Katze ist die Pflanze wertvoll. Die „Echte Katzenminze“ blüht weißlich und ist eher unscheinbar, aber eine gute Bienenweide. Für den Ziergarten gibt es prächtige, blau blühende Sorten (z.B. „Walkers Low“), die ein hervorragender, robuster Ersatz für Lavendel in kälteren oder feuchteren Regionen sind. Sie blühen extrem lange und müssen nach der ersten Blüte nur kurz zurückgeschnitten werden, um ein zweites Mal zu blühen („Remontieren“).
Klette (Arctium lappa)
Die Große Klette ist das Vorbild für den Klettverschluss (Bionik). Im Garten wird sie oft als lästig empfunden, da die Kletten im Fell von Haustieren hängen bleiben. Kulinarisch ist sie jedoch ein unterschätztes Gemüse. In Japan wird die lange Pfahlwurzel als „Gobo“ kultiviert und ist ein teures Edelgemüse mit nussigem Geschmack. Wer Kletten im Garten hat, kann die Wurzeln im ersten Jahr (bevor die Pflanze blüht) ernten und wie Schwarzwurzeln zubereiten – das ist Permakultur auf dem Teller („Essen, was da ist“).