Der Buchstabe L steht im Kräutergarten für Langlebigkeit und Licht. Hier finden sich Pflanzen, die extrem trockenheitsverträglich sind (Lavendel), aber auch solche, die als erste Frühlingsboten den Bienen das Überleben sichern (Lungenkraut, Löwenzahn). Besonders spannend ist der Unterschied zwischen echten Küchenkräutern und giftigen Namensvettern, der hier beleuchtet wird.
Lavendel (Lavandula angustifolia)
Der „Echte Lavendel“ ist der Gewinner des Klimawandels in unseren Gärten. Er liebt heiße, trockene Sommer und nährstoffarme, sandige Böden. Wo Rasen verbrennt, blüht er erst richtig auf. Für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge ist er eine der wichtigsten Nahrungsquellen im Hochsommer. Wichtig für den nachhaltigen Garten: Achten Sie beim Kauf auf die Bezeichnung Lavandula angustifolia (Echter Lavendel), denn dieser ist in Deutschland winterhart. Der oft verkaufte Schopflavendel (Lavandula stoechas) mit den „Hasenohren“ an der Blüte überlebt unsere Winter meist nicht und muss jedes Jahr neu gekauft werden – das ist weniger ressourcenschonend.
Liebstöckel (Levisticum officinale)
Besser bekannt als „Maggi-Kraut“. Diese imposante Staude kann über zwei Meter hoch werden und gehört in jeden Permakultur-Garten, da sie extrem langlebig und pflegeleicht ist. Eine einzige Pflanze reicht meist für die Versorgung einer ganzen Familie (und der Nachbarschaft) aus. Liebstöckel treibt sehr früh im Jahr aus und liefert erstes würziges Grün für Suppen. Lässt man ihn im Sommer blühen, bilden sich riesige gelbe Dolden, die eine wichtige Landebahn und Futterquelle für Schwebfliegen und Käfer sind.
Löwenzahn (Taraxacum officinale)
In sterilen Gärten wird er vergiftet und ausgestochen, im Naturgarten wird er geschätzt. Der Löwenzahn ist eine ökologische Wunderwaffe: Seine lange Pfahlwurzel lockert verdichtete Böden auf und holt Nährstoffe (besonders Calcium) aus der Tiefe nach oben. Er ist eine der allerersten Nahrungsquellen für Bienen nach dem Winter. Zudem ist er komplett essbar („Root-to-Leaf“-Ernährung): Die jungen Blätter als Salat (bitter, aber gesund), die Blüten zu „Löwenzahnhonig“ (Gelee) verkocht und die Wurzeln geröstet als kaffeeähnliches Getränk. Ihn stehenzulassen ist aktiver Naturschutz.
Lungenkraut (Pulmonaria officinalis)
Das Lungenkraut ist ein faszinierender Frühblüher für schattige Bereiche unter Bäumen und Sträuchern. Seinen Namen hat es von den weiß gefleckten Blättern, die an Lungenflügel erinnern (Signaturlehre). Für Kinder und Naturbeobachter bietet es ein Schauspiel: Die Blüten wechseln ihre Farbe von Rot nach Blau. Dies ist eine Ampel für Insekten: Rot bedeutet „hier gibt es noch Nektar“, Blau bedeutet „schon bestäubt/leer“. So sparen Bienen Energie, weil sie nur die roten Blüten anfliegen. Es ist eine überlebenswichtige Nektarquelle für die früh fliegende Pelzbiene.
Lorbeer (Laurus nobilis)
Hier ist eine wichtige Unterscheidung nötig: Der Echte Lorbeer ist das bekannte Suppengewürz. Er ist in Deutschland nur in sehr milden Weinbauregionen winterhart und wird meist als Kübelpflanze gehalten. Eine eigene Lorbeerpflanze spart den Kauf von getrockneten Blättern in Plastiktüten und schmeckt frisch deutlich intensiver. Verwechseln Sie ihn niemals mit dem in deutschen Gärten allgegenwärtigen Kirschlorbeer (Prunus laurocerasus). Dieser ist eigentlich eine Lorbeerkirsche, hochgiftig und ökologisch fast wertlos („Grüne Betonmauer“), da seine Blätter von heimischen Insekten nicht gefressen werden.
Echtes Labkraut (Galium verum)
Das Echte Labkraut blüht leuchtend gelb und duftet im Sommer intensiv nach Honig. Es wächst auf mageren Wiesen und Wegrändern. Der Name kommt von seiner historischen Nutzung: Es enthält ein Enzym (Labferment), das Milch gerinnen lässt. Früher wurde es daher bei der Käseherstellung genutzt – eine spannende, vegetarische Alternative zu tierischem Lab für Selbstversorger. Zudem ist es eine alte Färberpflanze, die Wolle rötlich-gelb färbt.
Löffelkraut (Cochlearia officinalis)
Das Löffelkraut ist ein fast vergessener Vitamin-C-Spender. Da es extrem salz- und kältetolerant ist, war es früher auf Segelschiffen in Salzlake eingelegt das wichtigste Mittel gegen Skorbut. Im Garten ist es ein wertvolles Wintergemüse. Die löffelförmigen, fleischigen Blätter können oft den ganzen Winter über geerntet werden und schmecken scharf wie Kresse oder Senf. Es eignet sich hervorragend für den Anbau in Töpfen auf dem Balkon.
Lein / Flachs (Linum usitatissimum)
Der „Gemeine Lein“ ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Menschheit. Er blüht nur einen Vormittag lang in einem wunderschönen Himmelblau – ein Feld voller Lein ist ein kurzer, aber magischer Anblick. Im Garten ist er pflegeleicht. Aus den Samen gewinnt man das gesunde Leinsamenöl (reich an Omega-3), oder man nutzt die Samen ganz im Müsli. Die Stängel liefern Fasern für Leinenstoff. Auch wenn man im Hausgarten keine Kleidung herstellt, ist der Lein eine Bereicherung für die Vielfalt und eine hübsche Lückenfüller-Pflanze in Blumenwiesen.