Der Buchstabe M markiert im Kräutergarten die Gruppe der großen Duft- und Aromapflanzen. Minze und Melisse gehören zu den beliebtesten Teekräutern überhaupt. Doch M steht auch für „Moor“ und „Magerwiese“, denn Pflanzen wie das Mädesüß oder der Mohn zeigen uns viel über die Beschaffenheit unseres Bodens an.
Minze (Mentha)
Die Minze ist der Inbegriff der Frische, aber im Garten ein zweischneidiges Schwert. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ist sie wunderbar: Sie ist robust, absolut winterhart und liefert massenhaft Blätter für Tee, was Transportwege und Verpackungsmüll spart. Aber Vorsicht: Minzen vermehren sich über unterirdische Rhizome (Wurzelkriecher) aggressiv. In einem kleinen Beet übernehmen sie schnell die Herrschaft und verdrängen andere Arten. Der Profi-Tipp für den Naturgarten: Pflanzen Sie Minze immer mit einer Wurzelsperre oder – noch besser – samt einem großen Topf (den Boden herausschneiden) in die Erde. Lassen Sie die Minze blühen, ist sie im Spätsommer ein Magnet für Schwebfliegen und Falter.
Melisse / Zitronenmelisse (Melissa officinalis)
Ihr botanischer Name Melissa kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Honigbiene“. Das ist kein Zufall: Die Zitronenmelisse ist eine der wichtigsten Bienenweiden im Kräutergarten. Ihr Nektar ist extrem zuckerhaltig und begehrt. Die Pflanze ist anspruchslos und langlebig. Einmal gepflanzt, versorgt sie den Haushalt jahrelang mit frischem Tee, der beruhigend auf Herz und Magen wirkt („Herzkraut“). Sie neigt dazu, sich stark selbst auszusäen. Wer das nicht möchte, schneidet sie direkt nach der Blüte zurück.
Mädesüß (Filipendula ulmaria)
Das „Wiesenkönigin“ genannte Kraut wächst bevorzugt an Gräben und Bachläufen. Es ist ein Zeiger für feuchte, nährstoffreiche Böden. Medizinhistorisch ist es eine Berühmtheit: Es enthält Vorstufen der Salicylsäure. Als Chemiker diese Substanz synthetisch nachbauten, benannten sie das Medikament nach dem alten botanischen Namen des Mädesüß (Spiraea) – so entstand der Name „Aspirin“. Die cremeweißen Blütenwolken duften süß nach Mandeln und Honig und werden von zahlreichen Insekten besucht.
Malve (Malva sylvestris)
Die Wilde Malve ist eine der schönsten und nützlichsten Pflanzen für den Naturgarten. Ihre violetten Blüten sind essbar und färben Tees wunderschön blau bis lila. Früher nannte man sie „Käsepappel“, weil ihre runden Samenstände wie kleine Käselaibe aussehen und als nussiger Snack direkt vom Strauch gegessen werden können. Ökologisch ist sie unverzichtbar für den spezialisierten Malven-Dickkopffalter und diverse Rüsselkäferarten. Dank ihrer Schleimstoffe ist sie zudem ein bewährtes Mittel bei Reizhusten.
Majoran (Origanum majorana)
Hier herrscht oft Verwirrung. Majoran ist eng verwandt mit dem Oregano (Dost), aber im Gegensatz zu diesem in unseren Breiten meist nicht winterhart. Er stammt aus Nordafrika und Kleinasien. Er wird oft als „Wurstkraut“ bezeichnet, da er fetten Speisen die Schwere nimmt und die Verdauung fördert. Im Garten ist er eine einjährige Kultur. Lässt man ihn blühen, bilden sich kleine „Knoten“, die bei Bienen beliebt sind. Für den dauerhaften Naturgarten ist der verwandte, winterharte Dost oft die nachhaltigere Wahl, kulinarisch hat Majoran aber ein süßlicheres, eigenes Aroma.
Meerrettich (Armoracia rusticana)
Der Meerrettich ist das „Penicillin des Gartens“. Seine lange Pfahlwurzel steckt voller scharfer Senföle, die stark antibakteriell und virenhemmend wirken – ein regionales Superfood, das Importe wie Ingwer teilweise ersetzen kann. Im Garten sollte der Standort gut gewählt sein: Meerrettich ist extrem standorttreu. Jedes kleinste Wurzelstück, das bei der Ernte im Boden verbleibt, treibt neu aus. Er ist fast unverwüstlich. Die großen Blätter beschatten den Boden (Verdunstungsschutz), werden aber oft von Kohlweißlingsraupen angefressen – was ihn zu einer guten Ablenkpflanze für den Kohlanbau macht.
Mariendistel (Silybum marianum)
Eine Distel im Garten? Unbedingt! Die Mariendistel ist mit ihren weiß-marmorierten Blättern und den purpurnen Blütenköpfen eine architektonische Schönheit. Der Legende nach stammen die weißen Flecken auf den Blättern von der Milch der Jungfrau Maria. Für die Biodiversität sind Disteln Gold wert: Die Blüten ernähren Hummeln und Falter, die Samen (später im Jahr) sind Lieblingsfutter für den Stieglitz (Distelfink). Medizinisch ist das in den Samen enthaltene Silymarin das stärkste bekannte Lebertherapeutikum der Pflanzenwelt.
Mutterkraut (Tanacetum parthenium)
Das Mutterkraut sieht aus wie eine kleine Kamille oder Margerite, riecht aber beim Zerreiben der Blätter herb-aromatisch (ähnlich wie Chrysanthemen). Es ist eine klassische Bauerngartenpflanze, die Lücken füllt und sich versamt. Traditionell wurde es – wie der Name sagt – in der Frauenheilkunde und bei Geburten eingesetzt. Heute erlebt es eine Renaissance in der Migräne-Prophylaxe. Im Garten ist es robust und blühfreudig, was es zu einer pflegeleichten Insektenweide macht.
Mohn (Papaver)
Während der Schlafmohn (Opiummohn) in Deutschland genehmigungspflichtig ist, ist der heimische Klatschmohn (Papaver rhoeas) ein Muss für jeden Naturgarten. Er ist eine Ackerbegleitpflanze, die durch Herbizide selten geworden ist. Seine hauchdünnen Blüten bieten keinen Nektar, sind aber extrem pollenreich. Bienen wälzen sich regelrecht darin („Pollenbad“), um das schwarze Eiweißfutter für ihre Brut zu sammeln. Mohn sät sich nur auf offenem Boden aus – er ist ein Symbol für Dynamik und Veränderung im Beet.
Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus)
Eigentlich ein Strauch aus dem Mittelmeergebiet, wird er aufgrund seiner medizinischen Nutzung oft zu den Kräutern gezählt. Er blüht im Spätsommer mit langen, violetten Rispen, die dem Sommerflieder ähneln und ebenso viele Insekten anziehen. Die pfefferscharfen Samen wurden früher von Mönchen gegessen, um den Geschlechtstrieb zu dämpfen (daher der Name „Keuschlamm“). Heute ist er eine der wichtigsten Pflanzen bei hormonellen Beschwerden (PMS). In milden Lagen (Weinbauklima) ist er winterhart, ansonsten benötigt er Winterschutz.