Der Buchstabe O führt uns in den Süden, aber auch tief in die heimische Geschichte. Er steht für mediterrane Klassiker, die wir alle von der Pizza kennen, aber auch für fast vergessene Färberpflanzen und spannende Neuentdeckungen für den klimarobusten Garten („Dry Gardening“).
Oregano (Origanum vulgare)
Der „Pizza-König“. Botanisch ist er identisch mit dem heimischen Dost, doch für die Küche werden meist Zuchtformen aus dem Mittelmeerraum verwendet, die durch die intensive Sonne mehr ätherische Öle bilden. Oregano ist im nachhaltigen Garten ein Muss: Er ist absolut winterhart, mehrjährig und kommt mit minimaler Wassergabe aus. Lässt man ihn blühen (was dem Geschmack der Blätter kaum schadet), verwandelt sich das Beet in eine summende Wolke. Sein Nektar ist extrem zuckerreich (bis zu 76 %), was ihn zu einer der wertvollsten Energiequellen für Bienen und Schmetterlinge im Hochsommer macht.
Odermennig (Agrimonia eupatoria)
Der „Kleine Odermennig“ ist eine alte Heilpflanze, die oft an sonnigen Waldrändern oder auf Magerwiesen wächst. Sie bildet lange, gelbe Blütenkerzen, die im Staudenbeet wunderbar aussehen. Bekannt ist er auch als „Sängerkraut“: Ein Tee aus dem Kraut wird traditionell von Sängern und Rednern genutzt, um die Stimme zu klären und Halsentzündungen zu lindern. Zudem ist er eine alte Färberpflanze, die Wolle leuchtend gelb färbt. Seine klettenartigen Samen haften an Kleidung und Tierfell, was ihm hilft, sich zu verbreiten.
Olivenkraut (Santolina viridis)
Ein echter Geheimtipp für Feinschmecker und eine pflegeleichte Pflanze für den Klimawandel-Garten. Das Olivenkraut sieht aus wie eine Mischung aus Rosmarin und Lavendel, duftet und schmeckt aber intensiv nach eingelegten Oliven. Es ist die perfekte, regionale Alternative zu importierten Olivengläsern: Einfach kleingeschnitten über Salat, Pasta oder Feta geben. Die Pflanze stammt aus dem Mittelmeerraum, ist immergrün und verträgt große Hitze und Trockenheit. In rauen Lagen benötigt sie im Winter etwas Reisig als Schutz, ist aber meist gut winterhart.
Ochsenzunge (Anchusa officinalis)
Die Gewöhnliche Ochsenzunge gehört zur Familie der Raublattgewächse (wie Borretsch). Ihren Namen hat sie von den rauen, zungenförmigen Blättern. Im Naturgarten ist sie ein „Tiefenbohrer“: Ihre Pfahlwurzel reicht bis zu zwei Meter tief in die Erde, wodurch sie Nährstoffe nach oben holt und Trockenperioden spielend übersteht. Die leuchtend blauen bis violetten Blüten sind für Bienen mit langen Rüsseln unwiderstehlich. Sie produziert reichlich Nektar und blüht oft bis in den Herbst hinein. Junge Blätter können wie Spinat gekocht werden, die Blüten sind eine essbare Deko.
Oka / Knolliger Sauerklee (Oxalis tuberosa)
Eigentlich ein Wurzelgemüse aus den Anden, wird die Oka in der Permakultur oft im Kräuter- und Gemüsegarten integriert. Sie ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Inkas. Das Besondere ist die Erntezeit: Während der Garten im Winter ruht, bildet die Oka ihre bunten, säuerlich-frischen Knollen erst im Spätherbst, wenn die Tage kurz werden. Sie kann oft bis in den Dezember hinein geerntet werden. Die Blätter schmecken zitronig wie Sauerampfer und bereichern Salate. Sie ist eine tolle Pflanze, um die Erntesaison nachhaltig zu verlängern.
Osterluzei (Aristolochia clematitis)
Die Gewöhnliche Osterluzei ist eine Pflanze für Experten und strenge Naturgärten. Vorsicht: Sie ist in allen Teilen giftig! Warum sollte man sie dennoch dulden? Sie ist die einzige Futterpflanze für die Raupen des seltenen Osterluzeifalters, eines wunderschönen Ritterfalter-Schmetterlings. Ohne die Pflanze stirbt der Schmetterling aus. Sie wächst oft in alten Weinbergen. Wer sie im Garten hat, leistet aktiven Artenschutz für einen Spezialisten, sollte aber Kinder und Haustiere fernhalten.